Für Erwachsene sind sie praktisch, doch für Kleinkinder können sie
gefährlich werden: Wasserkocher sind jedes Jahr an dutzenden schweren
Unfällen beteiligt, bei denen sich Kleinkinder schlimme Verbrennungen
zuziehen. Mal reißt neugieriger Nachwuchs das Gerät am Stromkabel von
der Küchenablage, mal erklimmen kleine Kletterkünstler Stühle und
ziehen den Kocher zu sich. Viele dieser Unfälle könnten mit einfachen
Vorsichtsmaßnahmen verhindert werden, das ergibt eine neue Studie der
Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder e.V., in der
332 Kinderkliniken zu Verletzungen durch Wasserkocher und zu den
Unfallhergängen befragt wurden.
„Die Ergebnisse der
Studie zeigen sehr deutlich, dass der Aufklärungsbedarf von Eltern noch
lange nicht gedeckt ist“, sagt Martina Abel, Geschäftsführerin der BAG
Mehr Sicherheit für Kinder. „Thermische Unfälle mit Wasserkochern
können durch einfache Verhaltensmaßnahmen verhindert werden, indem
Eltern zum Beispiel das Kabel aufrollen oder den Wasserkocher nach
hinten auf die Arbeitsplatte schieben.“ Auf der anderen Seite komme der
Produktsicherheit eine hohe Bedeutung zu: „Das GS-Zeichen wird bei
Wasserkochern lediglich für die Elektrosicherheit vergeben, nicht für
die mechanische Sicherheit. Hier besteht ein dringender
Verbesserungsbedarf zugunsten der Kindergesundheit.“ Zudem werden in
manchen Haushalten noch veraltete Geräte benutzt, die nicht den
heutigen Sicherheitsstandards entsprechen: Wasserkocher mit losen
Deckeln, aus denen das gesamte heiße Wasser schwallweise herausfließen
kann, sollten zum Beispiel nicht mehr verwendet werden.
Mehr
als 6.000 Kinder verbrennen oder verbrühen sich jährlich in Deutschland
so stark, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Nach
Schätzungen kommen weitere 50.000 „leichtere“ Verbrühungen oder
Verbrennungen hinzu, die eine ambulante medizinische Behandlung nötig
machen. Unfälle mit Wasserkochern verursachen besonders schwere
Verletzungen: In 96 Prozent der Fälle lag der Schweregrad der
Verbrühung zwischen 2a und 3, hier ist in der Regel eine Operation
erforderlich. Durchschnittlich verbrühten 10 Prozent der empfindlichen
Kinderhaut. Die stationäre Behandlung der betroffenen Kinder dauerte im
Durchschnitt 9 Tage.
Säuglinge und Kleinkinder im
Alter zwischen sechs Monaten und 2,5 Jahren sind am häufigsten in
Unfälle mit Wasserkochern verwickelt (67 Prozent). Sie erreichen
beispielsweise das herunterhängende Kabel und ziehen das Gerät
herunter. Dabei ergießt sich das heiße Wasser hauptsächlich auf Hals,
Rumpf und Arme. „Erschreckend ist, dass 30 Prozent der Befragten nach
dem Unfall die betroffenen Stellen nicht kühlten“, sagt Martina Abel.
Bei Verbrennungen muss die verletzte Stelle sofort nach der Verbrennung
gekühlt werden. Das Wasser sollte dafür etwa 15 Grad Celsius kalt sein,
nicht kälter, da es sonst zu einer Unterkühlung kommen kann. Die Dauer
der Kühlung sollte 15 bis 20 Minuten nicht übersteigen.
Zur Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder e.V.
Die
BAG in Bonn ist ein bundesweit tätiger Dachverband und die primär
zuständige Lobby zur Verhütung von Kinderunfällen in Deutschland.
Mitglieder sind unter anderem Ärzte- und Sportverbände sowie
Rettungsorganisationen und technische Dienstleister. Die BAG setzt sich
dafür ein, Kinderunfälle zu reduzieren und innovative
Präventionsmaßnahmen für Heim und Freizeit zu entwickeln. Sie wird
durch das Bundesministerium für Gesundheit, durch Penaten aus dem Hause
Johnson&Johnson, durch den Gesamtverband Deutscher Versicherer und
weitere Partner gefördert.
Eine Übersicht über die
Ergebnisse der Studie „Thermische Verletzungen durch elektrische
Wasserkocher“ erhalten Sie im Internet unter www.kindersicherheit.de