Gericht hebt einstweilige Verfügung auf
Sophie La Girafe: nicht verkehrsfähig. Das darf ÖKO-TEST wieder sagen, nachdem das Landgericht Berlin eine zuvor von ihm selbst erlassene einstweilige Verfügung wieder aufgehoben hat.
ÖKO-TEST hatte in seiner November-Ausgabe berichtet, dass sich aus der untersuchten Kultgiraffe, die gern als Ersatz für Schnuller oder Beißringe verwendet wird, weit mehr nitrosierbare Amine herauslösen als gesetzlich zulässig. Sie hätte somit gar nicht verkauft werden dürfen. Nitrosierbare Amine sind besonders gefährlich, weil sie sich in krebserregende Nitrosamine umwandeln können. Auch die französische Verbraucherzeitschrift Que Choisir hatte in einem Test Werte weit über dem in Deutschland geltenden Grenzwert gefunden. Sogar von Vulli selbst im Prozess gegen uns vorgelegte Untersuchungen belegen, dass Sophie nitrosierbare Amine weit über dem deutschen Grenzwert enthält.
Auch wenn die Grenzwerte der neuen EU-Spielzeugverordnung im Juli 2013 in Kraft treten, gelten sie in Deutschland möglicherweise nicht. Denn die Bundesregierung hat ein sogenanntes Notifizierungsverfahren eingeleitet mit dem Ziel, dass auch über 2013 hinaus in Deutschland die strengeren Grenzwerte gelten – wegen der besonderen Gesundheitsgefahren durch nitrosierbare Amine und Nitrosamine. Wer Sophie schon gekauft hat, so daher unser Rat, sollte ihr „au revoir“ sagen, das Tier ins Geschäft zurückbringen – und das Geld zurückverlangen.
Dies war der Testbericht von Öko-Test im November:
Seit ihrer „Geburt“ – das war 1961 in den französischen Alpen am Tag der heiligen Sophie – begleite das Quietschtier Sophie la Girafe die Neugeborenen in Frankreich, nun erfreue es sich auch in Deutschland einer immer größer werdenden Beliebtheit bei den Babys, so die Werbung des Anbieters. Und: „Sophie ist aus Naturkautschuk, nur mit Lebensmittelfarbe bemalt und weist die gleichen Eigenschaften eines Babyschnullers auf.“ Zugegeben: Sophie ist wirklich niedlich.
Aber leider lösten sich im Labor derart viel nitrosierbare Stoffe aus dem Gummi, dass das Babyspielzeug in Deutschland nicht verkehrsfähig ist. Auch die gesetzlichen Anforderungen für Schnuller würde es damit übrigens nicht erfüllen. Aus nitrosierbaren Stoffen können sich im Körper krebserregende Nitrosamine bilden. Sie können bei der Herstellung von Kautschukprodukten entstehen, sind aber technisch vermeidbar. Ein weiteres Problem, wenn auch kein Gesetzesverstoß: Das Gummi enthält erhöhte Gehalte der krebsverdächtigen Verbindung Naphthalin. Die Lautstärke des Quietschens ist für ein nicht direkt ans Ohr gehaltenes Spielzeug nach Norm noch in Ordnung. Wer Sophie schon gekauft hat, sollte ihr „au revoir“ sagen und das 14,99-Euro-Tier ins Geschäft zurückbringen. Gesamturteil „ungenügend“
Quelle: Öko-Test, Foto, Vulli
