Das Thema Kinderimpfung verunsichert viele Eltern. Sie fühlen sich überfordert, darüber entscheiden zu müssen, welche Impfung für ihr Kind notwendig ist und welche nicht. Sie suchen Rat und Hilfe bei Experten, Freunden und Verwandten. Immer häufiger wird auch über die Impfung gegen Rotaviren diskutiert. Schließlich kann eine Rotavirus-Infektion mit einem hohen Flüssigkeitsverlust bei den Kindern verbunden sein und sogar einen Krankenhausaufenthalt für die kleinen Patienten notwendig machen.
In einer kostenlosen Telefonhotline gingen jetzt die zwei erfahrenen Kinderärzte Dr. Olga Prehsfreund (Köln) und Dr. Hubert Radinger (Bonn) auf die Fragen von besorgten Eltern ein. Im Folgenden werden einige der wichtigsten und häufigsten Fragen und Antworten noch einmal zusammengefasst.
Ich lese und höre in letzter Zeit immer öfter über Rotaviren und die Gefahr dieser Viren für kleine Kinder. Was hat es damit auf sich?
Dr. Prehsfreund: Rotaviren sind der häufigste Auslöser von Brechdurchfall bei Kindern unter 5 Jahren. Da das Virus hoch ansteckend ist und über Schmier- und Tröpfcheninfektion verbreitet wird, reicht schon ein Griff zum gleichen Spielzeug, um sich mit dem Virus zu infizieren. Die durch Rotaviren verursachten Brechdurchfälle können nicht nur für die Kinder sehr unangenehm (und für die Eltern anstrengend), sondern für Säuglinge und Kleinkinder auch durchaus gefährlich sein. Denn durch bis zu 20 Brech- und Durchfallattacken am Tag verlieren die Kinder sehr viel Flüssigkeit: Sie drohen auszutrocknen, was unter anderem zu ernsten Kreislaufproblemen führen kann. Daher sollten Eltern schnell ärztliche Hilfe suchen, wenn ihr Kind die typischen Krankheitssymptome zeigt.
Wie erkenne ich, ob der Flüssigkeitsverlust bei meinem Kind bedrohlich ist?
Dr. Radinger: Bei lang anhaltendem Durchfall oder Erbrechen besteht die Gefahr einer Austrocknung. Dies ist unter anderem daran zu erkennen, dass die Kinder keinen Urin produzieren, eine trockene Mundschleimhaut haben oder ohne Tränen weinen. In diesem Fall sollten Eltern mit ihrem Kind sofort zum Arzt gehen oder ein Krankenhaus aufsuchen. Bei schweren Krankheitsverläufen kann der Flüssigkeitshaushalt des Kindes nur mit Infusionen aufrecht erhalten werden.
Schützt eine Impfung gegen diese Rotaviren?
Dr. Radinger: Die Kinder bekommen den Impfstoff mit einer Schluckimpfung, die in zwei oder drei Dosen (je nach verwendetem Impfstoff) gegeben wird. Die Impfung schützt die Kinder zu 100 Prozent vor einem schweren Krankheitsverlauf, das haben Studien gezeigt. Ein harmloser Krankheitsverlauf ist aber leider auch trotz Impfung möglich.
Sollte ich mein Kind zu Hause lassen, wenn sich in der Krabbelgruppe ein Kind mit Rotaviren infiziert hat?
Dr. Prehsfreund: Da die Krankheit extrem ansteckend ist, ist es vernünftig, mit einem gesunden Kind zu Hause zu bleiben. Oft werden Kindergärten und Krabbelgruppen sogar für ein paar Tage geschlossen, weil es eine Rotavirus-Infektion in der Gruppe gab.
Wann sollte ich mein Kind gegen Rotaviren impfen lassen?
Dr. Prehsfreund: So früh wie möglich! Es handelt sich bei der Rotavirus-Imfpung um eine Schluckimpfung, die ab der sechsten Lebenswoche gegeben werden kann. Die Impfung sollte vor Vollendung der 24. Lebenswoche (bzw. 26. Lebenswoche, je nach verwendetem Impfstoff) abgeschlossen werden. Auch weitere Impfungen gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission sind wichtig.
Wann ein Kind geimpft werden sollte, richtet sich vor allem nach seinem Alter. Hierbei geben Impfkalender eine gute Übersicht. Im Internet findet man alle Informationen zum Beispiel auf Seiten wie www.gesundes-kind.de.
Kann ich mein Kind auch impfen lassen, wenn es Schnupfen hat?
Dr. Radinger: Bei leichtem Schnupfen oder Husten ist eine Impfung meist kein Problem. Hat das Kind aber Fieber oder ist stark erkältet, sollte man den Impftermin besser verschieben. Im Einzelfall entscheidet der Kinderarzt, ob geimpft werden kann oder nicht.